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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. Nach seinem langjährigen Aufenthalt in München lebt er in Tschechien.

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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Bürger retten ihre Dorfkirche

Kirche in Bärnsdorf wurde aufwendig restauriert
  • Blick in die Kirche in Bärnsdorf
  • Eingang in die Kirche in Bärnsdorf
  • Einweihung des Altars
  • Das Prunkstück ist der neue, bis zur Decke reichende Altar
  • Der neue Altar
  • Alte Kirchenglocke
  • Geplant ist die Instandsetzung des gesamten Pfeifenwerks und abschließende Generalabstimmung der Orgel
  • Dieses Kirchenfenster wurde von Herrn Wilhelm Scheidler der Kirche gewidmet
  • Dieses Kirchenfenster wurde von Frau Anna Scheidler der Kirche gewidmet
  • Gedenktafel für die Gefallenen
  • Außenansicht der Kirche

In Bärnsdorf, im früheren Kreis Friedland, wurde am 1. August 2011 auf Initiative von Jana Doubková, Věra Honysová, die Vereinsvorsitzende ist, und Petra Malá eine Bürgerinitiative mit dem Name Bürgerverein zur Erneuerung der Kirche in Bärnsdorf gegründet.

Dieser Ort liegt im Rasnitztal, unmittelbar an Rückersdorf anschließend, ungefähr 15 Kilometer nordöstlich von Friedland.

Der Ort Bärnsdorf, der früher Bernsdorf und Bernhardsdorf hieß, bestand schon im 14. Jahrhundert. Zur Zeit der Christianisierung scheinen zahlreiche Familien aus der Görlitzer Gegend in diesem Waldgebiet Zuflucht gesucht haben. Bärnsdorf wurde ohne Zweifel schon von vor dem Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts eingewanderten Deutschen gegründet.

In Bärnsdorf bestand schon 1346 eine Kirche. Sie gehörte zum Meißener Bistum und war Filiale von Schönwald. Das Gotteshaus war ursprünglich nur ein Holzbau, der erst in der Folgezeit einem steinernen Umbau wich. Von dem ersten Steinbau ist nichts mehr vorhanden. Die Erweiterung durch das Kirchenschiff kam erst im 17. Jahrhundert hinzu.

Die Kirche besaß damals eine alte, sicher schon der ehemaligen alten Kapelle  angehörige Turmglocke mit merkwürdiger Mönchsschrift. Die Inschrift der Glocke lautete: „O rex gloria christo veni nobis cum pace - in gottes namen“. Die Kanzel und der in der Sakristei stehende Beichstuhl tragen die Jahreszahl 1698.

Im 16. Jahrhundert fand auch hier die Reformation statt. Bei der Kirche waren zeitweise evangelische Geistliche angestellt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wirkte hier der Prediger Paul Hanycäus (Hanysch).

Die Überlieferungen über die Geistlichen der Bärnsdorfer Kirche sind spärlich. Im Jahr 1603 war ein gewisser Brückner Pastor - vielleicht Hans Brückner, der 1587 bis 1590 Pfarrer in Schönwald war. 1629 finden wir den Geistlichen Sebastian Hayasch, 1630 den Wiesener Pastor Johann Mai. Im Jahr 1634 übernahm der aus Kratzau stammende David Vietze die Bärnsdorfer Pastorenstelle.1914 bewilligte das Ministerium die Änderung der Bezeichnung der Ortschaft und zugleich Ortsgemeinde Bärnsdorf  in Bärnsdorf an der Tafelfichte oder abgekürzt Bärnsdorf a. T.

Die Mitglieder des Vereins befassen sich in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten und der Pflege der alten Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria.

Zu diesem Zweck wird versucht, Finanzmittel aus verschiedenen Förderprogrammen und weitere Zuschüsse zu erhalten. Diese Aufgaben und Ziele sollen auch durch die Arbeit des Vereins und in Zusammenarbeit und durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde Bärnsdorf und dem Pfarramt in Neustadt an der Tafelfichte erreicht werden.

Dem Verein, der keinen materiellen Gewinn erstrebt, gelang es durch sein Engagement, in den letzten Jahren eine Reihe wichtger und von der Bevölkerung anerkannter Aktionen durchzuführen.

Die erste Aktion fand noch vor der Gründung des Vereins statt. Sie war das Adventssingen mit dem Chor aus Heinersdorf an der Tafelfichte, das in der Kirche in Bärnsdorf im Dezember 2010 stattfand. Die Restaurierung des Gebäudes und des Innenraums wurde 2011 in Angriff genommen. Es bestand großer Nachholbedarf, die aus der langen Zeit der Vernachlässigung herrührenden Schäden zu beheben und die einzigartigen Kunstwerke in einen angemessenen guten Zustand zu versetzen.

Seit dem Gründungsjahr ist dieser Verein auch für seine vielfältigen kulturellen, musikalischen und kirchlichen Veranstaltungen bekannt. Neben dem Adventstreffen der Senioren, dem Auftritt der Schulkinder zum Muttertag, der Ostersonntagsmesse und der Weihnachtsmesse bilden die Kulturangebote für die Besucher einen besonderen Schwerpunkt. Die Kirche ist regelmäßig Schauplatz vielfältiger Konzerte mit klassischer Musik von großen Meistern, vorgetragen von Gruppen oder Einzelpersonen. Für die Begegnung der Bärnsdorfer und für das Vereinsleben in Bärnsdorf spielt neben der Kirche auch das Kulturhaus eine wichtige Rolle. Hier findet ein Teil der Veranstaltungen statt, bei denen Gesang, Unterhaltung und Geselligkeit nie zu kurz kommen und die das Kulturhaus zu einem lebendigen Treffpunkt machen.

Im Jahr 2012 erhielt der Verein, der auf Unterstützung jeder Art angewiesen ist, vom Bürgerforum eine Subvention von 40 000 Kronen. Nachdem die Mitglieder des Vereins den gleichen Betrag aus eigenen Mitteln beigesteuert hatten, konnte die grundlegende Reparatur des Altars der Muttergottes, der sich in einem kritischen Zustand befand, durchgeführt werden. Die Säulen waren vom Holzwurm befallen und drohten einzustürzen. Einige Teile des Altars fehlten vollständig. Gefehlt hat auch das Gemälde des Hauptaltars.

Schon vor langer Zeit wurde das große Altarbild abgenommen und in Neustadt an der Tafelfichte im Pfarrhaus deponiert. Es stellte sich heraus, daß auch dieses Bild restauriert werden mußte. Beide Arbeiten übernahm die akademische Malerin und Restauratorin Radana Hamsíková aus Prag. Sie führte auch die grundlegenden Arbeiten wie Reinigung und Verstärkung der Säulen durch. Auch die Kirchenbänke wurden neu lackiert.

Im Jahr 2014 wurde das Altargemälde ausgebessert, was der Verein finanzierte. 2014 wurden 200.000 Kronen in die Kirche investiert. Die Renovierungsarbeiten werden auch von dem Eintrittsgeld der Besucher, die die musikalischen und kulturellen Veranstaltungen das ganze Jahr über besuchen, aus den Spenden der Bärnsdorfer Bürger und der Unterstützer der Kirche finanziert. Beide Teile des Altars wurden im Mai 2015 an ihren ursprünglichen Platz zurückgebracht. Die Gesamtausgaben im Jahr 2015 betrugen 167 000 Kronen.

In Zusammenarbeit mit der Pfarrei in Neustadt an der Tafelfichte und dem Gemeindeamt in Bärnsdorf wurde das Dach der Kirche neu gestrichen, was 152.240 Kronen kostete, und der Dachstuhl am Nebengebäude repariert und gestrichen. Für Arbeit und Material wurden 150.170 Kronen bezahlt.

Die glasgemalten Kirchenfenster - ein besonderes Schmuckstück des Altarraums - wurden 1931 von Wilhelm und Anna Scheidler (geb. Krompholz) der Kirche gestiftet. Angefertigt wurden sie von dem Kunstinstitut für Glasmalerei und Kunstverglasung Richard Schlein im böhmischen Grottau.

Im Jahr 2017 wurde mit den aufwendigen Restaurierungsarbeiten der alten beschädigten Fenster begonnen. Das Blei zwischen den einzelnen Glasteilen hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Deshalb werden die Fenster herausgenommen, komplett neu verbleit und wieder eingesetzt. Außerdem wurden zebrochene Teile repariert.

Die Gesamtkosten für die Restaurierung betragen 150.228,- Kronen, die durch Spenden (45.228,-) und finanzielle Unterstützung vom Kreis Reichenberg (105.000,-) aufgebracht wurden. Die neue Verglasung wird von der Kunstglaserei Jiřička - Coufal in Prag durchgeführt. Nun können Besucher der Kirche einen Teil der Fenster wieder in voller Schönheit bewundern.

2014 wurde die Kirche unentgeltlich ihrem neuen Besitzer, der Gemeinde Bärnsdorf, überschrieben. Die Innenausstattung blieb in der Verwaltung und im Besitz der Pfarrei in Neustadt an der Tafelfichte. Nach Meinung des Bürgervereins sind das die besten Bedingungen für die Zukunft der Kirche.

Das Gefühl der Verantwortung für das historische Gebäude soll auch in der Bevölkerung geweckt und gefördert werden. Weitere Erneuerungen und Sanierungen sind geplant. Die nächsten Phasen der Erneuerung werden weiterhin schrittweise erfolgen. Hier zeigte sich, daß man Großes erreichen kann, wenn man bereit ist zu helfen.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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