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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
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Stanislav Beran

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| | Panorama | 15.7.2019

In Haindorf wurde die Ausstellung „Zeugen für Menschlichkeit“ eröffnet

Gegner des Nationalsozialismus aus den Reihen der sudetendeutschen Christen 1938 - 1945.

Diesem Thema widmet sich die Wanderausstellung, die am 29. Juni 2019 in der Galerie des Haindorfer Klosters von der Mitarbeiterin der Ackermann-Gemeinde in Prag, Eliška Pekárková, feierlich eröffnet wurde. Ziel der Ausstellung ist es, an die Opfer zu erinnern und allen anderen sudetendeutschen Gegnern des NS-Regimes zu gedenken, die in den Lagern, Untersuchungsgefängnissen und Haftanstalten zu Tode gequält wurden, verhungerten oder an Tbc gestorben sind.

Während des Krieges wurden Hunderte von Geistlichen in Konzentrationslagern gefangengehalten, mit Predigtverboten belegt oder unter Hausarrest gestellt. Viele wurden von dem nationalsozialistischen „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt.

Die Ausstellung zeigt und beschreibt auf mehreren Schautafeln das Schicksal von zehn Personen, die sich aus der christlichen Überzeugung gegen die Nazi-Diktatur gestellt haben und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Es handelt sich um fünf Priester, zwei Nonnen und drei Laien, von denen keiner das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt hat. Sie starben in Konzentrationslagern oder wurden hingerichtet.

Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an die breite Öffentlichkeit, wobei den Schülern besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Veröffentlichung soll auch zur weiteren Erforschung des Themas anregen. Die deutsche Fassung wurde erstmals im September 2016 anlässlich der Seligsprechung von Pater Engelmar Unzeitig in Würzburg vorgestellt. In der Tschechischen Republik wurde die Ausstellung erstmals im Emauskloster in Prag am 25. Februar 2017 gezeigt.

Beide Versionen der Ausstellung sind seitdem durch mehrere Städte in Deutschland und der Tschechische Republik gereist. Die Wanderausstellung, die bis jetzt in den Städten Dachau, Augsburg, München, Wien, Aussig an der Elbe, Reichenberg, Dresden, Fürth, Stuttgart, Schwäbisch Gmünd, Münster, Waldkraiburg, Speinshart, Frankfurt am Main, Wittichenau, Roding, Ulm, Berlin, Schönsee und Regensburg gezeigt wurde, erinnert an das Schicksal dieser zehn Opfer des NS-Terrors:

Engelmar Hubert Unzeitig war ein sudetendeutscher katholischer Priester, Missionar und christlicher Märtyrer. Geboren wurde er am 1. März 1911 in Greifendorf bei Zwittau, in einer nördlich von Brünn liegenden Sprachinsel, die von den Sudetendeutschen Schönhengstgau genannt wurde. Seine Eltern waren tiefgläubige Christen. Sein Vater starb 1916 im Ersten Weltkrieg, in russischer Kriegsgefangenschaft an Typhus, sodass seine Mutter sechs Kinder selbst versorgen musste.

Von 1917 bis 1925 besuchte er die Volksschule. Er wuchs zweisprachig auf. In der Schule und zu Hause sprach er Deutsch. Tschechisch lernte er während seines Dienstes bei einem tschechischen Bauer in Wschesitz. 1927 hat er sich für den Priester- und Missionsdienst entschieden. Im Alter von siebzehn Jahren ging er nach Reimlingen im Kreis Donau-Ries, wo er 1934 sein Abitur abgelegt hat. Im selben Jahr trat er in die Mariannhiller Kongregation ein. Hier hat er auch seinen religiösen Namen Engelmar angenommen.

Nach seinem Theologiestudium wurde er am 6. August 1939 in der Herz-Jesu-Kirche in Würzburg von Bischof Matthias Ehrenfried zum Priester geweiht. Nach dem Ausbruch des Krieges arbeitete er als Seelsorger in Riedegg bei Linz an der Donau. Hier betreute er die französische Kriegsgefangene. 1940 bat ihm der Bischof von Linz, die Pfarrstelle in Glöckelberg im Böhmerwald zu übernehmen. Es war eine deutsche Gemeinde mit 1200 Einwohnern, die sich nur sechs Kilometer von Oberplan befand. Am 1. Oktober 1940 hat er die Seelsorge in Glöckelberg übernommen. Hier wurde er von den Nationalsozialisten bespitzelt und weil er sich für die verfolgten Juden einsetzte, wurde er auch verklagt. Am 21. April 1941 wurde er verhaftet. Am 3. Juni 1941 hat der 30jährige Pater Unzeitig seine letzte Reise angetreten, die Reise in das Konzentrationslager Dachau.

Als Geistlicher befand er sich in einem Pfarrerblock, in dem sich ungefähr 2.700 weitere Geistliche, hauptsächlich Katholiken, gedrängt haben. Der Pfarrerblock bestand aus drei Wohnblöcken. Block 26, 28 und 30. Pater Engelmar ragte aus der grauen Masse der Häftlinge des Konzentrationslagers heraus. Er lernte zum Beispiel Russisch, um besonders grausam misshandelten russischen Gefangenen zu helfen. Es gelang ihm sogar, Hilfe von außen zu organisieren, um die Versorgung mit den wichtigsten Nahrungsmitteln sicherzustellen.

1943 war er als Häftling in den Dachauer Messerschmitt-Werken beschäftigt. 1944, als sich das Ende des Zweiten Weltkriegs näherte, wurde das Konzentrationslager Dachau von einer Typhusepidemie überschwemmt. Hunderte von Menschen starben ohne Hilfe, weil niemand in die infizierten Häuserblocks hineingehen wollte.

Pater Engelmar gehörte zu den zwanzig Priestern, die sich freiwillig zur Krankenpflege angemeldet haben. Es war klar, dass es unwahrscheinlich war, dass derjenige, der sich anmeldet, lebend zurückkehrt. Nur zwei Freiwillige überlebten diesen Einsatz. Während dieser Tätigkeit infizierte sich Engelmar selbst und starb am 2. März 1945.

Schon damals war er nicht nur ein Gefangener mit der Nummer 26147, sondern eine Persönlichkeit mit dem Spitznamen "Der Engel von Dachau". Die letzten Worte, die nach Aussage eines Mithäftlings Pater Engelmar vor seinem Tod sprach, lauteten: „Zur Rettung von Seelen würde ich weiter gerne Verbannung und alles andere ertragen…“

Der Diener Gottes, Pater Engelmar Unzeitig bezahlte seinen Einsatz mit seinem Leben, das vom Geiste der Nächstenliebe geprägt war. Dieser außergewöhnliche Geistliche starb nach vier Jahren Aufenthalt im KZ Dachau, einen Tag nach seinem 34. Geburtstag, nur wenige Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch die amerikanische Armee. Am 24. September 2016 wurde er im Dom in Würzburg seliggesprochen.

Als die Deutsche Bevölkerung aus dem Sudetenland vertrieben wurden, ist auch der kleine Ort Glöckelberg im Böhmerwald, in dem der Pater Engelmar Unzeitig verhaftet wurde, von der Oberfläche verschwunden und jahrzehntelang in Vergessenheit geraten. Nur die Kirche, die nach dem Kriegsende als Munitionslager benutzt wurde und zwei Häuser sind stehen geblieben. Damit verschwand auch ein Teil der Geschichte des Böhmerwaldes.

Nach dem politischen Umsturz haben zwei Bewohner der Stadt Linz – Ing. Horst Wondraschek, dessen Familie aus Glöckelberg stammt und Othmar Hanke - dafür gesorgt, dass die seit Jahrzehnten verlassene und verrottende Kirche von Glöckelberg, die sich unweit der österreichischen Grenze befindet und ihre gesellschaftliche Bedeutung verloren hat, mit finanzieller Hilfe der ehemaligen Bewohner der Ortschaft umfassend saniert wurde.

Mit der Genehmigung von Bischof Miloslav Vlk wurde das Projekt bald von tschechischer Seite unterstützt. Wondraschek und seine zahlreichen Assistenten säuberten das Gebiet rund um die Kirche und sanierten das verlassene Gebäude. Mit der Kirchrenovierung wurden von dem Linzer Künstler Josef Fischnaller († 2006) auch neue Glasfenster und ein Kreuz für den Altar eingebaut. Auch der Friedhof mit den verbliebenen Gräbern vor der Kirche wurden wieder ordnungsgemäß hergerichtet.

Seit Mitte der neunziger Jahre ist das Gebiet um Glöckelberg zu einem Geheimtipp für Touristen und Radfahrer geworden, die die unberührte Natur in dem ehemaligen militärischen Sperrgebiet neu entdeckt haben.

In dem ehemaligen Mesnerhaus neben der Kirche, in dem sich jetzt das Museum befindet, wurde eine Ausstellung eröffnet, die an die Vergangenheit erinnert. "Ich will den Ort und seine Menschen vorstellen, die hier gelebt haben. Ideologische Kommentare sind völlig ausgeklammert", sagt Othmar Hanke. Er hat für die Besucher eine Serie historischen Dokumente und Fotografien der Fotografen Josef Seidel und Josef Wolf, beide aus Böhmisch Krummau und Mayer aus Oberplan zusammengestellt. Die Fotos zeigen Szenen aus dem Alltag. Die ausgestellten Bilder von Feldarbeiten oder Pferdeschlittenfahrten im Winter geben einen Einblick in das damalige tägliche Leben. Der zweite Teil der Ausstellung ist Pater Engelmar gewidmet, der in Glöckelberg von 1940 bis 1941 als Pfarrer tätig war.

An die Kirchenwand wurde eine große zweisprachige Gedenktafel mit folgenden Text angebracht:

Ein Märtyrer der Nächstenliebe
P. Engelmar Unzeitig
Marianhiller Misionär
Seelsorger in Glöckelberg 1940/41
†2. 3.1945 im K. Z. Dachau

 

Auf einer weiteren Gedenktafel befindet sich folgender, in deutscher und tschechischer Sprache abgefasster Text:

Die ehemaligen Bewohner von Glöckelberg,
Josefsthal und Hüttenhof sowie Freunde des
Böhmerwaldes haben mit Unterstützung
tschechischer Behörden die verwüstete
Kirche wiederhergestellt und den eingeebneten
Friedhof zu einer würdigen Stätte gestaltet.
1990-1992

Richard Henkes, der Apostel der deutsch-tschechischen Versöhnung wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach (Diözese Limburg) im Westerwald geboren. Er wusste, dass der Nationalsozialismus eine Ideologie des Bösen und des Hasses war, und er war zutiefst von der Größe der Liebesbotschaft Jesu überzeugt. Er hatte auch den Mut, dies laut zu sagen. 1941 wurde er geistlicher Verwalter der kleinen Gemeinde Strandorf im Kreis Troppau.

Neben seinen Aufgaben als Pastor trat er als Prediger an verschiedenen Orten auf. Seine Tätigkeit wurde von der Gestapo verfolgt. Am 8. April 1943 wurde er wegen seiner Predigt (Volksverhetzung) verhaftet und am 10. Juli 1943 in das Konzentrationslager Dachau gebracht. "Ich gehe meinen Weg mit dem Gott", sagte er und versuchte die Mutlosen zu ermutigen und den Hungrigen zu helfen. Er lernte auch tschechisch, weil er nach dem Krieg wieder im Osten arbeiten wollte.

Als im Dezember 1944 im Konzentrationslager die Typhusepidemie ausbrach, wurden einige Gefängnisblöcke für geschlossen erklärt. Ende 1944 meldete er sich freiwillig zur Pflege der typhuskranker und sterbenden Häftlinge. Er traf da auch den Pater Josef Beran, den späteren Prager Erzbischof und Prager Kardinal und den weiteren Kandidaten für die Seligsprechung. Während der Zeit, in der er den Kranken geholfen hat, erkrankte er selbst tödlich und erlag am 22. Februar 1945 seiner Krankheit. Nach seinem Tod wurde er eingeäschert. Seine Asche wurde heimlich aus dem Konzentrationslager gebracht. Am 7. Juni 1945, dem 20. Jahrestag seines Primats, wurde seine Urne in einem Grab auf dem Palotinischen Friedhof in Limburg feierlich bestattet.

Roman Karl Scholz, der österreichische Schriftsteller, Dichter, Priester und Organisator des NS-Widerstandes wurde am 16. Januar 1912 in Mährisch Schönberg geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums trat er in das Augustinerkloster in Klosterneuburg bei Wien ein. Er arbeitete als Professor für Theologie und Philosophie und war auch als ein begabter Schriftsteller bekannt. Nach der Besetzung Österreichs gründete er im Herbst 1938 die illegale Widerstandsgruppe österreichische Freiheitsbewegung-Gruppe R. K. Scholz.

Im Juni 1940 wurde er verhaftet, vier Jahre lang inhaftiert und am 10. Mai 1944 im Landesgericht I in Wien von den Nazis enthauptet. Seine letzten Worte waren: "Für Christus und Österreich". Er ist Autor einer ganzen Reihe von Gedichtsammlungen. Sein autobiografischer Roman Goneril wurde posthum veröffentlicht. Am Samstag, 8. September 2012, wurde an der Handelsakademie (ehemals deutsches Gymnasium) in Mährisch Schönberg eine Gedenktafel enthüllt, die an Roman Karl Scholz und seine mutige Tat erinnert.

Augustinus Franz Schubert war ein am 14. Mai 1902 in Prag Žižkov geborener Publizist, ein hervorragender Prediger, Seelsorger, zweisprachiger Priester und eine bedeutende Persönlichkeit, die in zwei Welten zu Hause war. Nach dem Münchner Abkommen bekam er große Schwierigkeiten wegen seiner antinationalsozialistischen Ansichten, die er nicht verbarg.

Am 26. August 1939 wurde er wegen seines Vorwurfs gegen die deutsche Armee verhaftet. Bald wurde er freigelassen, aber nach kurzer Zeit wurde er wieder inhaftiert. Er verbrachte einige Zeit in dem Prager Gefängnis Pankrac, von wo er in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht wurde. Hier versuchte er, trotz grausamer Bedingungen, tschechische Gefangene Studenten zu ermutigen, die hier inhaftiert waren.

Später kam er wieder nach Prag, von wo er erneut weiter transportiert wurde. Der letzte Ort, an dem er sich befand, war das Konzentrationslager Dachau. Am 28. Juli 1942 starb er da an offener Tuberkulose und an Herzschwäche.

Karl Schrammel – Der Singfreudiger Musiker und freimütiger Priester wurde am 22. September 1907 in Friedeck geboren. 1918 trat er in das Gymnasium in Friedeck ein, 1922 absolvierte er das höhere Gymnasium in Mährisch Ostrau, wo er am 16. Juni 1926 seinen Abiturabschluss machte. Während seines Studiums zeigte er Interesse an Musik.

Der Orgel- und Cello-Spieler nahm auch an den Ereignissen der deutschen katholischen Jugend und an der deutschen katholischen Jugendbewegung namens „Staffelstein“ teil. 1927 trat er in das Priesterseminar in Olmütz ein. Am Sonntag, dem 13. März 1932, wurde er zum Priester geweiht und feierte am Ostermontag, dem 28. März 1932, seine erste heilige Messe in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Neutitschein.

Am 1. September 1932 wurde der erfolgreiche Jugend- und Musikerzieher zum Präfekten am Deutschen Erzbischof-Knabenseminar in Freudenthal berufen. Als im März 1939 Mons. Franz Hobich starb, wurde am 15. Mai Pater Karl Schrammel zum neuen Seminardirektor des Knabenseminars in Freudenthal ernannt. Am 7. Juli 1941, wurde er von der Gestapo verhaftet. Aufgrund seiner menschlichen und christlichen Haltung wurde er als "gefährlicher" Saboteur beschrieben und wurde in die Schutzhaft gebracht. Fast vier Monate wurde er in Troppau inhaftiert. Ende Oktober 1941 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Über seine Liquidation wurde in Berlin entschieden.

Am 4. Dezember 1944 kam er, mit dem Vermerk R. U. (Rückkehr unerwünscht) und S. B. (Sonderbehandlung), in das Konzentrations- und Vernichtungslager Buchenwald. Am 5. Februar 1945 wurde der mit der Nummer 28677 registrierte Häftling Karl Schrammel erschossen. Sein Körper wurde in dem Lagerkrematorium verbrannt. Er schien in seinem Heimatland völlig vergessen zu sein. Es war daher eine Überraschung, als auf Initiative von Direktor des städtischen Gymnasiums in Freudenthal (tschechisch Bruntál) diesen deutschen Märtyrer am Freitag, dem 19. Oktober 2007, anlässlich seines 100. Geburtstags, an dem ehemaligen Gebäude des Knabensemi-nars in Freudenthal eine Gedenktafel enthüllt wurde.

Maria Restituta Helene Kafka - Die lebensfrohe, opferbereite Ordensfrau wurde am 1. Mai 1894 in Brünn-Hussowitz geboren. Sie arbeitete in einem Krankenhaus, in dem sie sich aufopfernd um die Patienten kümmerte. Maria Restituta wurde von einem Arzt beschuldigt und angezeigt, weil sie kritische Liedertexte im Krankenhaus verteilt hat und an der Seite eines jüdischen Arztes stand. Am 30. März 1943 wurde sie in Wien von den Nazis wegen ihres Eintretens für den Glauben, Recht und Menschenwürde enthauptet. Das war der einzige Fall der Hinrichtung einer Nonne während der gesamten NS-Zeit. Am 21. Mai 1998 wurde sie bei einer Predigt auf dem Wiener Heldenplatz vom Johannes Paul II. selig gesprochen.


Epiphania Barbara Pritzl – Die begeisterte Lehrerin und tapfere Schulschwester wurde am 26. August 1881 in Hirschau (Hyršov), an der tschechisch-bayerischen Grenze geboren. Wie die meisten Einwohner, stammte auch sie aus einer Bauernfamilie mit deutscher Staatsangehörigkeit, da das gesamte Hirschau und seine Umgebung zum deutschsprachigen Raum der Westböhmischen Region gehörte. Schon mit zwölf Jahren, am Fest der Schmerzhaften Muttergottes (15. Sept. 1893), trat sie in das Kloster ein. 1902 hat sie ihr religiöses Gelübde abgelegt.

Die längste Zeit ihres Lebens war sie als Lehrerin und Direktorin in einer Bürgerschule in Marienbad beschäftigt. 1940 wurde ihr der Schulunterricht verboten, weil sie sich weigerte, ihre Kleidung gegen Zivilkleidung umzutauschen. Außerdem hat man in ihren Briefen regimekritische Äußerungen gefunden. Am Allerseelentag 1943 wurde sie zur Gestapo nach Karlsbad vorgeladen, von wo sie nie mehr zurückkam. Wegen diesen „Vergehen“ wurde sie Ende Februar 1944 in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie nach drei Wochen, am 18. März 1944, den harten Haftbedingungen erlag.

Eduard Schlusche - Der Jugendführer, Buchhändler und christlicher Kämpfer wurde am 12. Oktober 1894 in Bennisch, im Kreis Freundenthal, geboren. Ab 1933 richtete sich sein Wirken gegen den Nationalsozialismus: Auf Schleichwegen verbreitete er verbotene Schriften. 1940 wurde er von der Gestapo unter Hausarrest gestellt und 1941 in das KZ Auschwitz gebracht. Im Dezember 1942 wurde er in das KZ Hamburg-Neuengamme transportiert. Die Umstände seines Todes sind unbekannt, vermutlich kam er bei einem Fliegerangriff, wenige Tage vor Kriegsende, in Hamburg ums Leben. Beim Evakuierungsversuch befand er sich auf einem Schiff, das von den Engländern bombardiert wurden.

Josef Tippelt – Der Lehrer, Christ und ungewollter Held wurde am. 30. August 1908 in Marschendorf im Riesengebirge geboren. Josef Tippelt, der neben Deutsch auch sehr gut Tschechisch sprach, hatte vor der nationalsozialistischen Ideologie gewarnt und wurde wegen Hochverrats angeklagt. Bereits in den Jahren 1933-34 organisierte er im AdlergebirgeTreffen von Mitgliedern der verbotenen Kolping-Bewegung.

Nach der Besetzung des Sudetenlandes wurde er wegen seiner illegalen Tätigkeit verhaftet. Seit dem Ende 1938 bis zu seiner Hinrichtung wurde er ununterbrochen in verschiedenen Gefängnissen, darunter Hirschberg, Pilsen, Görlitz und schließlich Plötzensee, in Haft gehalten. Der für seine antinazistische Haltung überall bekannte Josef Tippelt wurde im Oktober 1942 in Berlin zum Tode verurteilt und am 6. März 1943 im Gefängnis Berlin Plötzensee erhängt.

Hanns Georg Heintschel von Heinegg wurde am 5. September 1919 Kneschitz bei Hartmanitz geboren. Der Theologiestudent und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Mitarbeiter von Roman Karl Scholz, Patriot, Lyriker und überzeugter Christ, der aus der bekannten Heinersdorfer Fabrikantenfamilie stammte, wurde 1940 als führendes Mitglied der österreichischen Widerstandsbewegung verhaftet. Nach der Verlegung in verschiedene Lager und Gefängnisse wurde er am 23. Februar 1944 wegen Vorbereitung zum Hoch- und Landesverrat von einem in Wien tagenden Volksgerichtshof zum Tode durch das Fallbeil verurteilt und am 5. Dezember 1944 in Wien hingerichtet.

Die Ausstellung ist jenen Menschen gewidmet, die ihren Einsatz für Recht, Freiheit und Menschenwürde mit ihrem Leben bezahlt haben. Sie waren ein Vorbild in den Zeiten der unmenschlichen Diktatur und sie sind ein Vorbild auch in der heutigen Zeit. Die Erinnerung an sie und an die Geschichte, die Leid gebracht und unzählige Opfer gekostet hat, ist noch heute eine Motivation zur Wachsamkeit und zum täglichen Engagement für die Menschheit.

Die Ausstellung wird von der Tschechischen Bischofskonferenz, dem Erzbistum in Prag und dem Verband der Diözesen Deutschlands unterstützt. Sie steht unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Ministerpräsidenten der Tschechischen Republik Bohuslav Sobotka und Erzbischof Dominik Jaroslav Kardinal Duka.

Die Ausstellung kann noch bis zum 31. Juli 2019 täglich in dem bekannten nordböhmischen Wallfahrtsort Haindorf besichtigt werden.

Externer Link: www.klasterhejnice.czwww.klasterhejnice.cz
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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