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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. Nach seinem langjährigen Aufenthalt in München lebt er in Tschechien.

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Kultur | 22.6.2018

Der neue Kreuzweg in Friedland in Böhmen

  • Bischof Mons. Mgr. Jan Baxant am Kreuzweg
  • Bischof Mons. Mgr. Jan Baxant vor der Kirche in Friedland
  • Blick zum Schloss Friedland vom Kreuzberg
  • Eine der neu errichteten Kreuzwegstationen
  • Kreuzweg in Friedland
  • Kreuzweg in Friedland
  • Kreuzweg in Friedland
  • Kreuzweg Friedland Ermitage

In der kathollschen Kirche der Kreuzfindung (auch Dekanalkirche genannt) in Friedland gedachte man Mitte Mai mit einer feierlichen Andacht mit einem besonderen Ehrengast, dem Leitmeritzer Bischof Monsignore Jan Baxant (*8. Oktober 1948 in Karlsbad) der Kreuzigung Jesu Christi.

Das Programm begann um 8.00 Uhr morgens mit einem Geschichtsvortrag des Reichenberger Historikers Milan Svoboda über den Friedländer Kreuzweg. Danach zelebrierte Bischof Monsignore Jan Baxant einen Gottesdienst. Gekommen waren auch die Projektpartner von der Gesellschaft für Kulturlandschaft und die Vertreter der Städte Grottau, Zittau und Oybin. Im Anschluß an den Gottesdienst hatte Bischof Baxant Gelegenheit, vor der Kirche mit zahlreichen Menschen Gespräche zu führen.

Hernach gingen die Kirchenbesucher zum Kreuzberg, wo der restaurierte Kreuzweg mit den 14 Stationen feierlich eröffnet und gesegnet wurde. Auch der Brunnen, das Gottesgrab und die Einsiedelei waren erneuert worden. Der in der Mitte des 18. Jahr-hunderts errichtete und jahrelang vergessene Kreuzweg, der sich in einem Naturschutzgebiet befindet, wurde 2017 dank des deutsch-tschechischen Projektes "Gedächtnis In der Landschaft des Dreiländerecks, 100260207" restauriert. Die Gesamtkosten für die Erneuerung betrugen 3,2 Millionen Kronen. Das Projekt wurde vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms zur Unterstützung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und dem Freistaat Sachsen 2014 bis 2020 mit 85 Prozent, dem Staatshaushalt der Tschechischen Republik mit fünf Prozent und dem privaten Quellen mit zehn Prozent der Kosten finanziell unterstützt. Dank der EU, die das Projekt zum größten Teil finanzierte, wurde wieder ein Teil der Vergangenheit gerettet.

Der Brauch des Kreuzweggehens entstand im 14. Jahrhundert. Der im Heiligen Land übliche Pilgerbrauch, den Weg der Kreuzigung nachzugehen, wurde von den Franziskanern zu einer Art Volksandacht entwickelt. Insgesamt 14 Stationen legte Jesus auf seinem Leidensweg zurück. Die Stationen eines Kreuzwegs werden stets wie folgt bezeichnet:

Jesus wird zum Tode verurteilt.
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
Jesus begegnet seiner Mutter.
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
Jesus fällt zum zweiten Mal.
Jesus begegnet den weinenden Frauen.
Jesus fällt zum dritten Mal.
Jesus wird seiner Kleider beraubt.
Jesus wird ans Kreuz geschlagen.
Jesus stirbt am Kreuz.
Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.
Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.

Die neu angebrachten emaillierten Bilder auf dem Friedländer Kreuzweg sind stilistisch recht untypisch. Was die Darstellung der einzelnen Kreuzwegstationen überhaupt an Ausdruckskraft von sich gibt, das verdankt sie allein seiner besonderen Gestaltung, die sich von der klassischen künstlerischen Wiedergabe stark unterscheidet und weit entfernt ist. Man muß sehr lange raten, was die verzerrten und "besonderen" Bilder, die der Lehrer Lumír Hradil (*1957 in Friedeck-Mistek) schuf, seinen Betrachtern zeigen. Was diese Bilder wiedergeben, ist schwer zu erkennen. Es ist stets das gleiche, nur in leicht unterschiedlichen Farben. Möge doch der Besucher für sich selbst entscheiden.

"Die neuen Bilder wurden für uns in unserer Partnerstadt Friedland an der Ostrawitza gemacht. Sie unterscheiden sich ein wenig von den klassischen Kreuzwegbildern, aber wir glauben, daß es den Besuchern gefallen wird", fügte Bürgermeister Dan Ramzer aus Wustung Nr. 94(?) hinzu.

Auf dem Friedlander Kreuzberg, früher auch Kalvarienberg genannt, wurde auf Anregung des Friedlander Dechants Johann Friedrich Leubner (†28. Februar 1751 in Friedland) der noch bestehende Kreuzweg durch Aufstellung der Kreuzwegstationen und Anlage der Felshöhlen der Apostel Petrus und Johannes errichtet. Die Kreuzwegstiftung war am 14. Juli 1737 „im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit mit Bewilligung der geistlichen und hohen Grundobrigkeit auf der Exzellenz-Grafl. Gallas schen Herrschaft Friedland“ mit Beihilfe des damaligen Friedlander Ratsfreundes Josef Adalbert Springsholz und der Bürger Johann Heinrich Würfel, Johann Georg Pfeifer und Andreas Vielkind errichtet worden. Die diesem Zweck gewidmeten Spenden beliefen sich auf 291 Gulden, 28 Kreuzer.

Dazu beigetragen hatten Dr. Franz Schmidt mit 50 Gulden, die Stadtgemeinde mit zehn Gulden und eine gewisse Person (?) mit 25 Gulden. Dazu kamen 159 Gulden 58 Kreuzer, die Andreas und Apollonia Vielkind, Franz Lankisch und anderen gesammelt hatten oder in den Opferstöcken eingenommen worden waren. Die Herstellungskosten betrugen 199 Gulden, 28 Kreuzer. Davon erhielt der Steinmetz für die Stationen 86 Gulden, der Schlosser Bemard Hampel für die Bildtafeln 36 Gulden und der Maler Franz Herkner 26 Gulden, fünf Kreuzer und für die Stattonsbilder fünf Gulden, die aber nicht dauerhaft gewesen zu sein scheinen, weil Adalbert Springholz später für das Renovieren aller Bilder wieder 20 Gulden zahlte. 14 Stationskreuze lieferte Ignaz Arnold für einen Gulden.

Seit 1756 wurden für die Führung der Kreuzwegprozessionen dem Dechanten zwei Gulden und dem Choradjunkten ein Gulden, 30 Kreuzer gezahlt. In der Rechnung wurden auch Spenden für einzelne Kreuzstandbilder, so für das Kreuz In der hohlen Gasse mit 24 Gulden, das Kreuz auf der Obergasse mit 35 Gulden, das Kreuz auf der Neudecke mit zwei Gulden, eine Spende für die erste Station mit zehn Gulden einbezogen. Im Jahr 1784 hatte die Kreuzwegstiftung bereits eine Höhe von 608 Gulden und 44 Kreuzer erreicht. Am 2. Juni 1844 wurde das Kreuz von Josef Lichtner auf dem Kreuzweg eingeweiht.

Am 26. Juni 1898 abends schlug der Blitz in die Dreifaltigkeit am Kreuzberg, traf die Eisenstange, mit der die Aufschrift befestigt war, sprengte an dem rückwärtigen Teil der Granitumfassung ein beträchtliches Stück los und zertrümmerte das hölzerne, altehrwürdige Bildnis. Im Jahr 1902 wurde das Bild renoviert.

Johann Friedrich Leubner wurde in Reichenberg am 16. November 1682 geboren. Sein Vater war Friedrich Leubner, sein Großvater der aus Maffersdorf eingewanderte Michael Leubner. 1708 kam er als erster Kaplan nach Neustadtel, 1710 bis 1722 war er Pfarrer in Wittig, von da an Dechant in Friedland, wo er am 25. Februar 1751 starb. Der erste Chronist Reichenbergs, der Kreuzherren-Ordenspriester Pater Johann Karl Rohn, rühmt ihm nach, daß er es gewesen sei, „der ihm die Gelegenheit und Antrieb zum Studieren gegeben, auch sonsten viel Guttaten erwiesen hat.“

An einem Strebepfeiler der Friedleder Dekanalkirche findet man sein aus Stein gehauenes Grabmal mit folgender Inschrift: "Hier unter diesem Stein ruhen die Gebein' des hochwürdigen und hochgelehrten Herrn Joannis Frederici Leubner, Dechant's in Friedland, der hl. Schrift Baccalaureus formatus. War geboren zu Reichenberg den 16. November 1682, Pfarrer in Wittig zwölf Jahre, und nachdem er dieser Friedlander Kirche fast durch 29 Jahre als ein treufleißiger Seelenhirt vorgestanden, starb seelig im Heim den 25. Feber 1751, seines Alters 68 Jahre, 3 Monate und 14 Tage. R.I.P."                                                                                       

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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