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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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Beim erschlagenen Jungen

Erneuertes Denkmal im Isergebirge erinnert an einen Mord im Jahr 1825
  • Das erneuerte Denkmal
  • Tschechische Infotafel
  • Besucher bei der Einweihung
  • Der Haindorfer Pfarrer Pavel Andrš

Ende November enthüllte und weihte der Haindorfer Pfarrer Pavel Andrš im Isergebirge das vom Verein Frýdlantsko wiedererrichtete Denkmal für den 1825 getöteten Jugendlichen Anton Neumann.

An dieser großartigen Feier nahmen rund 150 Besucher teil, die nicht nur aus Friedland, Reichenberg und dem Isergebirge, sondern aus ganz Böhmen gekommen waren. Auch aus der sächsischen Oberlausitz waren 20 Besucher und aus Zittau ein Pfarrer gekommen. Ein Gesangsverein begleitete die Feier musikalisch. Der Verein Frydlantsko entstand 2014. Sein Vorläufer war die 1999 entstandene gleichnamige Bürgerinitiative. Eine seiner Aufgaben ist, die Entwicklung der Gesellschaft in einer sozial und wirtschaftlich schwachen Region zu unterstützen. 

Ziel des Vereins ist auch, das einzigartige Kulturerbe in der Landschaft des Isergebirges, die Kleindenkmale zu restaurieren und für künftige Generationen zu erhalten.

Diese Denkmale sind überall zu finden. Das Isergebirge zeichnet sich durch zahlreiche historische Kreuze, Gedenktafeln und Denkmale aus, die an Tragödien aller Art erinnern: an Morde, an Jagdkatastrophen, an Suizide, an Erfrierungen und an Unfälle der Holzfäller. Viele von ihnen stammen aus dem 19. Jahrhundert, einige sind noch älter. Der Verein Frydlantsko restauriert Denkmale in der Region Friedland und im Isergebirge.

Mit Hilfe von Stiftungen, Sponsoren, eigener Arbeit, aber auch aus dem Erlös des Verkaufs der von dem Verein herausgegebenen Bücher finanzierte er bereits zwölf umfangreiche Denkmal-Restaurierungen. Auch die Sanierung des verwitterten und vom Zahn der Zeit gekennzeichneten steinernen Kleindenkmals „Beim erschlagenen Jungen“ wurde durch Spenden finanziert.

Weil die Renovierung und fachliche Restaurierung des Denkmals finanziell sehr anspruchsvoll war, hat der Verein beschlossen, ein transparentes Konto einzurichten. Eingezahlt wurden 39 500 Kronen. Es handelt sich um ein wichtiges Kulturdenkmal, das für das Isergebirge charakteristisch ist. 

An der Renovierung hat sich auch die Stiftung Bürgerforum finanziell beteiligt. Das Malen eines neuen Bildes nach den ältesten bekannten Vorlagen, die Erneuerung des Textes unter dem Bild und die Vergoldung der Christusfigur am Kreuz wurden von der Restauratorin Vanesa Trostová aus Buschullersdorf (Oldřichov v Hájích) durchgeführt.

Die Anfertigung einer Kopie des Kreuzes wurde dem Schmied Jan Praminek Moravec anvertraut. Außerdem wurde der Zugangsweg wiederhergestellt.

Anfang März war das Denkmal mit Hilfe von schwerem Gerät von seinem Standort abgeholt worden. Nach fast acht Monaten, kehrte das sanierte Denkmal mit einem Traktor mit Hebezug zum Transport von kleinen Lasten an den Tatort zurück, an dem der Mord geschehen war. Hier wurde das historische Denkmal neu aufgestellt.

Wieder wurde ein Zeugnis der Heimatgeschichte vor dem Verfall bewahrt. Damit beendeten die Mitglieder des Vereins für Kultur und Landschaft mit Erfolg die Restaurierung eines weiteren historischen und einzigartigen Denkmals des Isergebirges, das Denkmal „Beim erschlagenen Jungen“.

Dieses Denkmal hat eine traurige Geschichte. Es erinnert an die Ermordung des 16-jährigen Schmiedelehrlings Anton Neumann.

Anton wurde am 18. Juli 1825 – anderen Quellen zufolge konnte es der 10. Juli desselben Jahres gewesen sein – von einem Täter brutal erschlagen und ausgeraubt. Dieses Denkmal ist eines der ältesten Denkmale im Isergebirge und befindet sich an der Eisenbahnlinie zwischen Buschullersdorf und Raspenau.

Anton Neumann wurde am 16. November 1809 in der Schmiede in Haindorf Nr. 134 geboren. Schon am Tag nach seiner Geburt – am 17. November 1809 – fand in der Haindorfer Kirche die Taufe des Neugeborenen statt. Er erhielt den Namen Johann Anton.

Und so begann der Lebensweg dieses kleinen Jungen, der sehr kurz und nicht der glücklichste war. Als er geboren wurde, waren seine Eltern noch nicht verheiratet, und so wurde der Junge unehelich geboren. Das war damals nichts ungewöhnliches, warf aber einen dunklen Schatten auf die ansonsten hoch angesehene Familie des Schmiedemeisters und insbesondere auf die Mutter des kleinen Johann Anton.

Acht Monate nach seiner Geburt läuteten die Glocken der Kirche in Haindorf erneut, um allen Menschen in der nahen und fernen Umgebung eine weitere frohe Botschaft zu verkünden. Der Bräutigam Josef Anton Neumann, ein Weber aus Haindorf, und die Braut Thekla Mäussel, die Tochter des damaligen Ober-Schmiedemeisters Gottfried Mäussel aus Haindorf Nr. 134, standen vor dem Altar der Haindorfer Kirche. Die Eltern des kleinen Johann Anton Neumann gaben sich vor Gott das Jawort, sie heirateten. Dies geschah am 23. Juli 1810.

Später sollte Anton Neumann die Schmiede von seinem Großvater Gottfried Mäussel in Haindorf Nr. 134 übernehmen, weshalb er 1824 bei ihm in die Lehre ging. Der begabte Lehrling muss sehr enttäuscht gewesen sein, als sein geliebter Großvater im selben Jahr unerwartet starb. Nach dessen Tod musste er die Lehre in einer anderen Schmiede fortsetzen. Ausgewählt wurde die bekannte Schmiede auf dem Galgenberg in Reichenberg. Seine Eltern in Haindorf besuchte er jeden Samstag. An seinem Todestag ging er über Einsiedel und Buschullersdorf auf dem von Hemmrich nach Haindorf führenden alten Pilgerweg nach Hause. Hier wartete der Mörder, der ihm einen Strick um den Hals legte, einen Knebel in den Mund stopfte und den Schädel mit Steinen zertrümmerte.

Die Leiche versteckte er in einem tiefen Graben unter einem Himbeerstrauch. Einen Tag später wurde seine Leiche von Kindern aus den Meierhofhäusern in Raspenau gefunden. Der Lehrling Anton Neumann wurde am 21. Juli 1825 auf dem alten Friedhof in Haindorf beigesetzt. Der Lebenswunsch seines Großvaters, aber auch der Wunsch des jungen, vielversprechenden Schmiedelehrlings, wurde nie erfüllt.

Später stellten die Hinterbliebenen am Ort seines Todes, der sich nur wenige Meter von dem alten Pilgerweg entfernt befindet, ein steinernes Denkmal mit einem Bild und einem Kreuz auf. Seit dieser Zeit nennt man diese Stelle Beim erschlagenen Jungen.

Es ist eine dunkle Geschichte geblieben, der Mörder wurde nie ermittelt. Die Eltern waren für den Rest ihres Lebens erschüttert.

Antons Vater, der damals in der Schmiede seines Schwiegervaters arbeitete und diese leitete, hatte sich viel von seinem Sohn versprochen und ihn auf eine gute und vielversprechende Arbeit in der Schmiede vorbereitet. Jeden Tag, wenn er an seinen Arbeitsplatz kam, erinnerte er sich an die Untat in den dunklen Wäldern des Isergebirges.

Und so dauerte es nicht lange, bis der Vater seinem Sohn in den Tod folgte. Er starb 1829. Seine Frau Thekla hatte in kürzester Zeit drei ihrer engsten Familienmitglieder verloren. Zuerst starb 1824 ihr Vater Gottfried Mäussel, ein Jahr später wird ihr Sohn Anton ermordet, und vier Jahre später verliert sie ihren geliebten Mann Josef Anton.

Ein unvorstellbar schweres Schicksal hatte diese zweifellos sehr tapfere Frau getroffen. Ihr war nichts anderes übrig geblieben als die Schmiede, das Erbe ihrer Vorfahren, die sie eine Zeit lang selbst betrieb. Aber nicht lange, denn sie war der Aufgabe nicht gewachsen und verstand das Handwerk nicht. Schließlich heiratete die Witwe Thekla, geborene Mäussel, 1830 den Schmied Johann Friedrich Müller, dem sie die Schmiede überschrieb. Hier arbeitete er bis 1843 als Schmied.

Tausende von Pilgern sind in den letzten 196 Jahren an diesem Denkmal vorbeigegangen, um einen Augenblick zu verweilen und das Andenken an ein unschuldiges Opfer eines unvorstellbaren Raubüberfalls zu ehren.
Männer zogen ihre Hüte ab, Frauen legten ihre Kopftücher ab, und Kinder schmiegten sich an ihre Eltern, die ihnen gerade die traurige Geschichte von dem getöteten Jungen erzählt hatten.

Dann sprachen alle gemeinsam das Vaterunser zu Ehren des unschuldigen Opfers, das damals an der Schwelle zu einer erfolgreichen Zukunft stand und dem das Schicksal kein langes Leben gönnte. Während das steinerne Denkmal bis heute erhalten geblieben ist, musste das drauf befestigte Blechbild immer wieder neu gestrichen und renoviert werden. Später verschwand es völlig. Das Bild zeigte einen Landstreicher, der einen wehrlosen Jungen verprügelt und tötet, während ein gemalter Heiliger über ihm schwebt. Unter dem Bild befindet sich folgende Widmung in deutscher Sprache: „Hier wurde Anton Neumann aus Haindorf, 16 Jahre alt, am 18. Juli ermordet. Unbekannter, bete für seine Seele.“ Die Metalltafel mit dem tschechischen Text, die erstmals Anfang der 1960er Jahre auf dem Steindenkmal angebracht wurde, befindet sich jetzt an einem Holzpfosten neben dem Denkmal.                                                                                                                  

Bildnachweis:
Otokar Simm (Fotos: 1 - 5) / Michael Horáček (Fotos: 6, 7)

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