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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Gesellschaft | 17.4.2015

Der vergessene Friedhof in Frýdlant

Schüler pflegen deutschen Friedhof in Frýdlant: “Das Geheimnis der Versöhnung ist die Erinnerung” - Richard v. Weizsäcker

Das letzte Zeugnis, das von den ehemaligen deutschen Bewohnern geblieben ist, sind die Gräber und Gruften auf dem alten Friedhof unter dem Resselsberg, die auf dem ganzen Friedhof verstreut sind. Ein Friedhof auf dem viele Deutsche ruhen, jedoch nicht in Deutschland sondern in Nordböhmen.

Über Jahrzehnte hat man es versäumt, sich diesen vergessenen Gräbern zu widmen. An vielen von ihnen nagt der Zahn der Zeit. Bei der Begehung des alten historischen Teil des Gottesackers bietet sich den Besuchern ein trauriger Blick an. Viele Gruften, die sich meistens an der Friedhofsmauer befinden, sind seit vielen Jahren in einem erbärmlichen Zustand. Die Grabtafeln und Inschriften wurden zerschlagen oder beschädigt. Zum größten Teil sind die Namen der Verstorbenen bereits so verwittert, dass man sie nicht mehr lesen kann. Die zwei letzten wertvolle Gruften stehen kurz vor dem Zerfall. Ob diese zeithistorisch bedeutsame Bauwerke noch unter Denkmal-schutz gestellt werden? Warum kümmert sich keiner darum? Das sind Fragen, auf die es bis heute keine Antwort gibt.

Heute ist der alte Friedhof die einzige sichtbare Erinnerung an die deutsche Vergangenheit und ein Bestandteil der Geschichte, vor der man nicht weglaufen kann. Die Versöhnung der letzten Jahrzehnte und die Normalisierung der Beziehungen zwischen Tschechen und Deut-schen haben dazu beigetragen, dass die Gräber und Gruften wieder Beachtung und Anerkennung finden. Die Zeiten ändern sich. Wird sich auch in Frýdlant was ändern??

Auf dem Friedhof, der am 16. Oktober 1878 eingeweiht wurde, haben einige bedeutende Persönlichkeiten, die sich zu Lebzeiten besonders um die Stadt Friedland verdient gemacht haben, ihre letzte Ruhestätte gefunden: Julius Helbig (1834-1912), Julius Kraus (1870-1917), Franz Mauermann (1831-1887), Dr. Josef Kubasta (1885-1916), Josef F. Schicketanz (1845-1918), Gräf. Baurat Wilhelm Hecke (1828-1910), Johann Schlesinger (1819-1892), JUDr. Viktor Lenk (1851-1919) und Bezirks-obmann Heinrich Ehrlich (1876-1921), Bürgermeister Josef Adler (1811-1890), Schuldirektor Reinhold Feix (1851-1936), Papierfabrikant Franz Fiala (1846-1915), Altbürgermeister Johann Kraus (1831-1902), Bürgermeister Anton J. Aigner (1844-1912).

Eine ungewöhnliche Aktion

Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Grundschule in der Purkyňova Straße haben es sich zur Aufgabe gemacht die Gruften der ehe-maligen deutschen Bewohner zu pflegen und das Andenken an die verstorbenen zu be-wahren. Mit dem Schulprojekt „Extra Schul-klasse“, das von Stiftungsfonds Tesco mit einer Summe von 30.000 Kronen unterstützt wurde, gingen 15 Jugendlichen und die Geschichts- und Deutschlehrerin Lucie Zralá, die die Zusammenstellung der Dokumentation begleitet hat und mit Rat und Tat zur Seite stand, auf eine Entdeckungsreise. Sie suchten das Vergessene. Der Anfang der Forschung begann schon am Ende des Jahres 2014. In der Freizeit wurde der Friedhof von den Schülern mehrmals aufgesucht. Die Gruften wurden fotografiert und die Daten der Verstorbenen in eine Datei eingetragen. Die Schüler recher-chierten Woche für Woche gemeinsam im Internet, Stadtarchiv und im Stadtmuseum und suchten Informationen über das Leben der Verstorbenen. Diese Datenbank wird später dem Bürgermeister der Stadt übergeben. Er wird sie an die Deutsche, Österreichische und Schweizerische diplomatische Vertretung nach Prag weiterleiten. Sie soll den Genealogen, Heimatforschern und den Nachfahren dienen und die Suche nach den Verstorbenen erleichtern.

Um mehr Menschen auf diese Aktion aufmerksam zu machen, haben sich die Schüler vorgenommen, eine Ausstellung zu gestalten, die ausführlich über den Friedhof und seine Vergangenheit informiert. Sie wird am Montag, den 1. Juni 2015 im Rathaus in der Eingangshalle eröffnet.

Zur Eröffnung sind alle interessierte Bürgerinnen und Bürger von der Lehrerin Lucie Zralá und dem jungen Forschungsteam herzlich eingeladen.

Die Ausstellung endet am 30. Juni 2015.

Bildnachweis:
Stanislav Beran

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